Schilddrüse und Wechseljahre2018-11-17T10:54:38+00:00

Schilddrüse und Wechseljahre

Bei den meisten Frauen beginnen zwischen dem 40. Und 50. Lebensjahr die Wechseljahre. Diese sind mit erheblichen Veränderungen verbunden.

Es treten nicht nur körperliche Erscheinungen durch den reduzierteren Hormonspiegel der weiblichen Sexualhormone auf, auch psychische Veränderungen können die Lebensqualität beeinflussen. Zudem kommt oft der zeitliche Zusammenhang mit dem Auszug der Kinder.

Das bewegt die Frauen, das Leben auf den Prüfstand zu stellen und sich Gedanken über die eigene Zukunft zu machen. Dabei geht es um berufliche Perspektiven, ein kritischer Blick auf die Partnerschaft und persönliche Ziele.

Angesichts dieser vielseitigen Veränderungen während der Wechseljahre steht ein kleines Organ häufig im Schatten: die Schilddrüse.

Bei bereits bestehenden oder neu auftretenden Schilddrüsenerkrankungen ist dann oft unklar, ob Symptome eher einer Schilddrüsenfunktionsstörung oder den Wechseljahrsbeschwerden zuzuordnen sind. Denn beide können sich sehr ähneln.

Schilddrüsenhormone wirken im ganzen Körper

Schilddrüsenhormone aktivieren oder hemmen eine Vielzahl von Körperfunktionen. Die ins Blut abgegebenen Hormone gelangen über den Blutkreislauf zu den Organen. Eine intensive Wirkung entfalten Sie auch an den Eierstöcken.

Es besteht jedoch kein Zusammenhang zwischen typischen Wechseljahrsbeschwerden und der Schilddrüsenhormonmenge. Genauso wenig hängt der Blutspiegel des Schilddrüsenhormons TSH mit der Höhe der weiblichen Sexualhormone zusammen.

Veränderungen in den Wechseljahren

Durch die verminderte Produktion weiblicher Sexualhormone beginnen die Wechseljahre. Die Eierstöcke verlangsamen ihre Funktion und es kann zu Zyklusstörungen kommen. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sinkt deutlich ab auf zwei Prozent mit ca. 50 Jahren.

Im weiteren Verlauf kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen den abfallenden weiblichen Hormonen und den weiterhin produzierten männlichen Hormonen. Das bedingt die typischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gereiztheit, … In dieser Zeit hört meist die Regelblutung auch auf.

Diese Beschwerden ähneln einer Schilddrüsenfunktionsstörung und sind oft nicht auseinanderzuhalten.

Zeigen sich einige der folgenden Symptome sind sowohl an die Wechseljahre als auch an eine Schilddrüsenfunktionsstörung zu denken. Dann sollten Sie Kontakt mit Ihrem Arzt aufnehmen um dies genauer zu klären.

  • Hitzewallungen
  • Schweißausbrüche
  • Zyklusstörungen
  • Depressionen
  • Reizbarkeit
  • Müdigkeit
  • Osteoporose
  • Dünne Haare/Haarausfall
  • Trockene Schleimhaut
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Gewichtszunahme
  • Verstopfung/Verdauungsstörungen
  • Trockene Haut
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Warme feuchte Haut
  • Psychosen
  • Konzentrationsstörungen
  • Muskelschwäche
  • Trägheit
  • Herzrasen

Wechseljahre: Andere Regeln in der Schilddrüsen-Therapie

In der zweiten Lebenshälfte gelten im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen einige zusätzliche Regeln, wenn es um die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen geht. Dahinter stehen zum Teil andere altersangepasste Referenzwerte für Schilddrüsenhormone (übrigens auch für Männer). Weiterhin passen wir die Dosis der Schilddrüsenhormone in viel kleineren Schritten an um die möglichen Nebenwirkungen zu reduzieren. Das hat sich in den Umstellungsphasen (Pubertät, Kinderwunsch, Schwangerschaft, Wechseljahre) bewährt.

Wichtig ist auch, die Schilddrüsenerkankung frühzeitig zu behandeln. Bei jungen Frauen können wir oft erst einmal abwarten, bei Frauen in den Wechseljahren möchten wir eine möglichst rasche Beschwerdefreiheit erzielen und beginnen sofort nach Diagnosesicherung mit der Therapie.

Besondere Sorgfalt und eine schnelle Ursachenklärung gilt bei einer – bereits latenten – Schilddrüsenüberfunktion. Studien zeigen, dass eine überaktive Schilddrüse im höheren Lebensalter das Risiko für ein frühes Versterben insbesondere aufgrund von Herz-/Kreislauferkrankungen erhöht.

Drei Schilddrüsen-Besonderheiten bei Frauen in den Wechseljahren

Bei Schilddrüsenfunktionsstörungen in den Wechseljahren gilt es, in einigen Fällen genauer hinzusehen. Denn durch die sinkende Östrogen-Produktion ergeben sich neue medizinische Zusammenhänge.

Dazu drei Beispiele:

  1. Schilddrüsenunterfunktion und Hormonersatztherapie

Einige Frauen nehmen mit dem Beginn der Wechseljahre so genannte Hormonersatzpräparate – meist mit Östrogenen – als Pflaster oder Tabletten, um die sinkende körpereigene Östrogen-Produktion auszugleichen (und damit verbundene Beschwerden zu lindern). Hier gilt besondere Aufmerksamkeit, wenn sie gleichzeitig an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden und daher Levothyroxin-Tabletten einnehmen. Ihr Levothyroxin-Bedarf und damit die erforderliche Tagessdosis kann zunehmen. Experten vermuten, dass das zusätzlich eingenommene Östrogen den Schilddrüsenhormonstoffwechsel bei Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion beeinflusst. Bei Frauen mit einer gesunden Schilddrüse beeinflussen Hormonersatzpräparate den Levothyroxin-Bedarf nicht.

  1. Schilddrüsenüberfunktion und Herzgesundheit

Generell sind bei Menschen über 55 Jahren „heiße Knoten“ und damit eine Schilddrüsenüberfunktion häufiger. Bei Frauen mit Schilddrüsenüberfunktion erhöhte sich in den Wechseljahren das Risiko für Herzrhythmusstörungen – beispielsweise Vorhofflimmern – und damit auch das Sterblichkeitsrisiko. Für sie ist es deshalb sehr wichtig, eine Schilddrüsenüberfunktion beizeiten zu behandeln [3]. Auch bei der Herzgesundheit spielt die sinkende Östrogen-Menge eine Rolle: Vor den Wechseljahren senkt Östrogen den Blutdruck und schützt so vor Herzinfarkten.

  1. Schilddrüsenüberfunktion und Knochengesundheit

Schilddrüsenhormone beeinflussen im erheblichen Maß den Knochenstoffwechsel. Bei Frauen in den Wechseljahren mit einer so genannten subklinischen Schilddrüsenüberfunktion kann es zu Knochendichteverlust und Knochenabbau kommen. So zeigen Studien, dass bei Frauen über 65 Jahren bereits ein geringfügig erniedrigter TSH-Wert das Risiko für eine Hüftfraktur um 28 Prozent erhöht. Wieder mischt der Östrogen-Mangel mit: Vor den Wechseljahren regt Östrogen den Knochenaufbau an und hemmt den Knochenabbau. Daher gilt auch in punkto Knochengesundheit: Eine Schilddrüsenüberfunktion frühzeitig behandeln.

Quelle: www.forum-schilddruese.de (modifiziert)